Oktober 09, 2017

Rezension | Karin Slaughter | Die gute Tochter


"Lauf!", fleht ihre große Schwester Samantha. Mit vorgehaltener Waffe treiben zwei maskierte Männer Charlotte und sie an den Waldrand. "Lauf weg!" Und Charlie läuft. An diesem Tag. Und danach ihr ganzes Leben. Sie ist getrieben von den Erinnerungen an jene grauenvolle Attacke in ihrer Kindheit. Die blutigen Knochen ihrer erschossenen Mutter. Die Todesangst ihrer Schwester. Das Keuchen ihres Verfolgers. Als Töchter eines berüchtigten Anwalts waren sie stets die Verstoßenen, die Gehetzten. 28 Jahre später ist Charlie selbst erfolgreiche Anwältin. Als sie Zeugin einer weiteren brutalen Bluttat wird, holt ihre Geschichte sie ganz ungeahnt ein.

Meine Meinung

Karin Slaughter ist für mich eigentlich ein Garant für einen guten Thriller. In meiner intensiven Thrillerphase vor knapp zehn Jahren habe ich ihre „Grant County“-Serie regelrecht verschlungen. Auch „Pretty Girls“ hatte mich begeistert und mir einige aufreibende Lesestunden beschert. Daher stand für mich auch außer Frage, dass ich „Die gute Tochter“ lesen musste. Und ich mag es ja eigentlich kaum aussprechen, aber leider konnte mich die Story um die Schwestern Samantha und Charlie nicht überzeugen. Mir drängte sich beim Lesen immer deutlicher die Frage auf, ob ich hier überhaupt einen Thriller vor mir habe oder nicht eher ein (Familien)Drama. 

Der Anfang war recht viel versprechend und ich habe auch gut in die Geschichte hineingefunden. Allerdings ließ die erste Aufregung relativ schnell nach und es machte sich immer mehr Verdruss breit. Denn eigentlich der ganze Mittelteil von „Die gute Tochter“ zog sich und bot kaum Spannung. Es wird viel über das Innenleben der beiden Schwestern berichtet und wie sie das traumatische Erlebnis aus ihrer Kindheit versuchen zu verarbeiten. Karin Slaughter spielt zwar auch hier mit dem Leser, allerdings wird dies erst zum Ende des Buches klar und der vielleicht erhoffte Wow-Effekt bleibt aus.

Da die Spannung einen Großteil des Buches ausblieb, hatte sich beim Lesen eine gewisse Langatmigkeit breit gemacht und die Auflösungen und überraschenden Wendungen zum Ende des Buches haben dann zwar ein kurzes Aufflackern von positiver Überraschung und einen gewissen Aha-Effekt bereitet, es hatte aber bei Weitem nicht gereicht die Geschichte zu retten und einem Thriller gerecht zu werden. Zumindest nicht einem Thriller, den man von einer Karin Slaughter wohnt ist. „Die gute Tochter“ ist eher ein Roman/Drama mit vielleicht leichten Thrillerelementen. Wirklich schade, da Frau Slaughter mich bisher eigentlich noch nie enttäuscht hatte. Ich werde dennoch auch das nächste Werk von ihr lesen und hoffe, dass es wie gewohnt zu begeistern verstehen wird.

Fazit

Leider konnte mich Karin Slaughter mit „Die gute Tochter“ nicht überzeugen. Zu viele Längen und wenig Spannung, besonders im langatmigen Mittelteil. Ich würde die Story zudem nicht als Thriller bezeichnen, sondern eher einen Roman/Drama mit Thrillerelementen. Schade, da ich sonst noch nie von Karin Slaughter enttäuscht wurde.

2/5 Punkte

HarperCollins - engl. Original "The Good Daughter" - Übersetzt von Fred Kinzel - HC (608 Seiten) - 19,99 EUR - Verlagsseite - Amazon* Thalia*

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