September 21, 2015

Rezension | Jodi Picoult | Bis ans Ende der Geschichte

C. Bertelsmann | HC (560 Seiten) | Einzelband | 19,99 EUR | The Storyteller | Verlagsseite

Inhalt

Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem moralischen Dilemma: Denn wo befindet sich die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?

Erster Satz

Mein Vater wurde nicht müde, mir die Wünsche für seine eigene Beerdigungszeremonie zu schildern.

Meine Meinung

Ich habe bereits einige Bücher von Jodi Picoult gelesen und bisher konnte mich jedes Buch begeistert und faszinieren. So auch „Bis ans Ende der Geschichte“. Ein Buch, das aufwühlend, bewegend und unglaublich gut geschrieben ist. Jodi Picoult ist eine Geschichtenerzählerin. Beim Lesen merkt man deutlich, dass die Autorin das Handwerk des Schreibens versteht. Ihre Geschichten sind gut recherchiert, mit viel Liebe zum Detail versehen und einfach nur grandios geschrieben, sodass man sich in der Geschichte verlieren kann. 

In „Bis ans Ende der Geschichte“ stecken eigentlich vier Geschichten in einem. Es wird aus der Sicht von Sage, Ihrer Großmutter Minka, Leo Stein und Josef Weber erzählt. Zwischendurch auch ein selbstgeschriebenes Märchen von Minka. Minka und Josef erzählen die Vergangenheit. Sage und Leo die Gegenwart. Eine Mischung, die vielleicht für Verwirrung hätte sorgen können, hat es aber nicht. Im Gegenteil. Am Ende der Geschichte läuft aber alles zu einem zusammen und ergibt ein ganzes Bild. Auch wenn es zwischenzeitlich einige Passagen gab, die etwas langatmig erschienen sind.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zu Anfang ein wenig Schwierigkeiten hatte mit Sage Singer. Sie war mir nicht direkt unsympathisch, aber es war auch nicht Liebe auf der ersten Seite. Sie hat viele Probleme, die sie noch nicht verarbeitet hat und somit ist ihr Verhalten durchaus verständlich, aber wir haben dennoch Zeit gebraucht um warm miteinander zu werden. Schwer fand ich es auch mit Josef. Zu Anfang war mir der über 90-Jährige sympathisch. Bis man die vermeintliche Wahrheit über in erfährt. Ich konnte daher die Zerrissenheit von Sage gut nachempfinden, da ich es so ähnlich empfunden habe. Leo Stein dagegen hat „Bis ans Ende der Geschichte“ aufgelockert mit seiner humorvollen Art und Weise. Es war ein passender Kontrast, was dem Buch einfach gut getan hat. 

Für mich persönlich allerdings war die Geschichte von Minka am Eindrucksvollsten. In der Schule und auch später habe ich so einige Bücher über den zweiten Weltkrieg lesen, aber keines konnte mich so bewegen wie es „Bis ans Ende der Geschichte“ getan hat. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Geschichten über den Holocaust ist keine leichte Kost. Und auch hier war es sehr aufwühlend, ergreifend und regte viel zum Nachdenken an. Und dennoch hat die Autorin der Figur Minka etwas Leichtes und Hoffnungsvolles verschafft. Es war schlimm, sehr sogar. Aber nicht zu erdrückend. 

Bei den Büchern von Jodi Picoult freue ich mich immer auf das Ende des Romans. Nicht, weil ich möchte, dass das Buch zu ende ist. Nein, sondern weil die Autorin mich bisher jedes Mal vollkommen umgehauen hat, da die Geschichte eine völlig unerwartete Wendung genommen hat und ich bisher jedes Mal erstaunt und geschockt gewesen bin. Auch „Bis ans Ende der Geschichte“ nimmt solch eine Wendung. Jedoch habe ich es dieses Mal schon im Voraus nicht nur geahnt, sondern bin beim Lesen bewusst drauf gestoßen bin, dass es so enden wird. Ich fand es schade, da es so zwar noch immer ein bewegendes Ende ist, aber leider auch einen kleinen Stich der Enttäuschung bereit hält.

Fazit

Mit „Bis ans Ende der Geschichte“ hat Jodi Picoult eine bewegende, aufwühlende und zum Nachdenken anregende Geschichte verfasst, die einfach nur grandios geschrieben wurde. Man erkennt deutlich, dass die Autorin eine anspruchsvolle Geschichtenerzählerin ist mit viel Liebe zum Detail. Auch wenn man den Ausgang der Geschichte bereits erahnen konnte und somit der für Frau Picoult bekannte überraschende Schluss dieses Mal weniger schockierend ausfällt, lohnt sich das Lesen dieser wundervollen Geschichte unbedingt.

4/5 Punkte

Kommentare:

  1. Ich muss gestehen, ich habe mir während des Lesens über das Ende gar nicht so viel Gedanken gemacht - ich war nur froh, dass es mir besser als "Das Herz ihrer Tochter" gefallen hat (das war mein erstes von ihr), aber dieses Buch jetzt hat mich so begeistert, dass ich mich seitdem an weitere Bücher der Autorin gewagt habe.

    Liebe Grüße
    Kerry

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  2. Hallo liebe Kate,

    ich habe dieses Buch vor kurzem auch erst gelesen und rezensiert und ich hoffe, es ist für dich okay, dass ich deine Rezension in meiner unter der Überschrift “Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch” verlinkt habe? Falls nicht, melde dich einfach kurz bei mir und ich lösche dich auf der Stelle raus, ja? ;) Hier der Link:
    http://janine2610.blogspot.co.at/2015/09/rezension-bis-ans-ende-der-geschichte.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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